Bundes Fachverband Essstörungen - Logo
BFE Allgemein
BFE für Mitglieder
BFE Kontakt und Links

Sie befinden sich hier: Presse

 

Pressemitteilung vom BUNDESFACHVERBAND ESSSTÖRUNGEN e.V.

zum Tod von Ana Carolina Reston,
München 25.11.2006

 

Magersüchtige Models gehören in eine Klinik und nicht auf den Laufsteg

Laut aktuellen Medienberichten ist das 21jährige Model Ana Carolina Reston letzte Woche in Sao Paulo an den Folgen seiner Magersucht gestorben.
Der Bundesfachverband Essstörungen e.V. nimmt dazu wie folgt Stellung:
Dieser Anlass sollte (wieder einmal) Warnung genug sein, uns nicht weiterhin von kranken Models, die, wie in diesem Fall, anstatt auf den Laufsteg in eine Klinik gehören, Mode präsentieren zu lassen. Für die Betroffenen sind Grenzziehungen von außen, wie ein Auftrittsverbot oder eine Ablehnung beim Fotoshooting neben konsequentem Hinwirken auf eine Kontaktaufnahme (auch durch das betroffene Umfeld) zu spezialisierten Einrichtungen wirkungsvolle Strategien, die zum Innehalten, Nachdenken und Reagieren anregen.

Bei 1,74 m Größe soll Reston noch 40 kg gewogen haben. „Damit lag Ana Carolina Reston 16 kg unter ihrem untersten Normalgewicht und war medizinisch beurteilt eindeutig magersüchtig. Zur Diagnose Magersucht (Anorexia nervosa) gehört ein Körpergewicht unter Body Mass Index (BMI) 17,5,  Restons lag bei 13,2. Bei einem BMI unter 14 können alle Organsysteme betroffen werden“, wie Dr. med. Wally Wünsch-Leiteritz, die stellvertretende Vorsitzende des  Bundesfachverbandes Essstörungen e.V. (BFE) und Leitende Oberärztin des Essstörungstherapiebereiches der Klinik Lüneburger Heide erläutert. Weiter sagt sie: „Der Tod soll durch ein Nierenversagen und Multiorganinfektionen eingetreten sein. Nierenfunktionsstörungen bis zur Dialysebehandlung können zu den Folgen einer unbehandelten schweren Magersucht gehören.“

 

 Stationäre Behandlungsbedürftigkeit sehen die auf Essstörungen spezialisierten Ärzte und Psychologen heute in BMI Bereichen um 16 als gegeben an. Was konkret für Reston geheißen hätte: spätestens bei einem Gewicht um 48 kg hätte sie sich in stationäre Behandlung begeben müssen.

 

Der Vorsitzende des Bundesfachverbandes Essstörungen e.V. und Leiter der Münchner Beratungs- und Therapieeinrichtung ANAD e.V., Diplom Psychologe Andreas Schnebel, stellt dar: „Magersucht unterscheidet sich vom einfachen Diäthalten und Fasten dadurch, dass die Betroffenen zunehmend darin verstrickt sind, ihr Essverhalten zu kontrollieren. Sie leiden nicht unter ihren Hungergefühlen wie andere Menschen, sondern ziehen für sich noch einen Gewinn im Sinne von Selbstwertstärkung („auch etwas besonders gut können“) und Lebenssinn.“ Aus seiner über 20jährigen Arbeit mit essgestörten Menschen weiß Schnebel, dass „die Magersucht den Betroffenen etwas bringt, nämlich eine vermeintliche Lösung für ein seelisches Problem. Deshalb sind Magersüchtige auch nicht einfach bereit, diese aufzugeben.“

 

Der Bundesfachverband Essstörungen fordert, dass der unterste Normalgewichtsbereich BMI 18,5 (geltend ab 15 Jahre) geachtet und als Abgrenzung zum Kranken angewendet wird. Im Untergewichtsbereich, also zwischen BMI 18,5 und 17,5 sollte neben dem Essverhalten besonderes Augenmerk auf das Vorliegen der Periode gerichtet werden und bei deren Ausbleiben kein Einsatz der Pille erfolgen, sondern eine Gewichtserhöhung.

 

 

Über den Verein:
Der BFE e.V. wurde 1994 gegründet. In diesem Verein haben sich ambulante Beratungs- und Therapieeinrichtungen zusammengeschlossen, die mit speziell auf Essstörungen entwickelte Beratungs-, Behandlungs- und Präventionskonzepten arbeiten und über langjährige Erfahrungen in diesem Bereich verfügen. Der BFE e.V. ist der einzige Dachverband zum Arbeitsgebiet der Essstörungen.

 

Dr. med. Wally Wünsch-Leiteritz
Fachärztin für Innere Medizin/ Psychotherapie/Ernährungsmedizin;
Ltd. Oberärztin des Essstörungstherapiebereichs der Klinik Lüneburger Heide
Tel: 05821 / 9600, Bundes Fachverband Essstörungen e.V.wuensch-leiteritz@klinik-lueneburger-heide.de